Tag 2
Die Aufmerksamkeit mit dem Atem stärken
Deine heutige Praxisübung
Sitzmeditation
Tagesimpuls
Hallo zu Tag 2!
Schön, dass du da bist und reinschaust.
Die Frage hast du dir vielleicht schon oft gestellt: Achtsamkeit und Alltag? Geht das überhaupt?
Du erkennst in der folgenden Geschichte vielleicht auch deine Autopiloten, deine verrückten Alltage. Die Geschichte habe ich in einem Kurs gelesen und fand sie sehr anschaulich.
Im Anschluss üben wir noch mal die Atem-Achtsamkeitsmeditation, die du schon kennst. Damit stärken wir unsere Aufmerksamkeit und trainieren, sie zurück in den gegenwärtigen Moment zu bringen. Auch üben wir uns in einer offenen und wohlwollenden Haltung, anderen und uns selbst gegenüber.
Ich wünsche Dir dabei viel Freude!
Eine Alltagsgeschichte
Ein ganz normaler Samstag
Heute will ich endlich mal die Fenster putzen. Ich beginne im Wohnzimmer und räume die Fensterbank frei. Dort steht ein leeres Glas. Das bringe ich in die Küche, um es in die Spülmaschine einzuräumen. Die ist aber noch voll und ich räume sie schnell aus. Wenn ich schon mal hier bin, mache ich mir noch einen Kaffee. Dabei fällt mir auf, dass die Filtertüten fast leer sind. Ich muss ja sowieso noch einen Einkaufszettel schreiben. Was brauchen wir denn sonst noch für das Wochenende? Ich wollte schon lange mal etwas aus dem Koch-Blog ausprobieren, den mir eine Freundin empfohlen hat. Also setze ich mich an meinen Schreibtisch und klappe mein Laptop auf. Automatisch öffnet sich mein Mailprogramm und ich lese und beantworte zuerst ein paar Nachrichten. Wenn ich schon mal am Bildschirm sitze, checke ich natürlich auch noch Twitter und Instagram. Dort empfiehlt mir jemand einen Kinofilm. Ob der dieses Wochenende auch hier läuft? Ich zücke mein Handy und frage meinen Freund, ob er heute Abend auch Lust auf Kino hätte.
Der Handy-Akku ist fast leer, also gehe ich zur Kommode und stecke es ein.
Auf der Kommode liegen noch die Zeitungen der letzten Woche. Ich will sie in die Kiste für Altpapier legen, aber die quillt schon über. Also gehe ich mit der Kiste in den Keller – auf halbem Weg fällt mir ein, dass ich noch eine Wäsche anstellen wollte. Ich gehe noch mal hoch, um den Wäschekorb zu holen. In dem Moment klingelt es an der Tür und der Postbote bringt ein Paket von meiner Mutter: sie hat Marmelade eingekocht und uns geschickt. Ich greife zum Telefon, um mich zu bedanken. Wir plaudern eine Weile und ich versuche mir einhändig einen Kaffee einzuschenken. Das klappt natürlich nicht. Die Tasse kippt um und der Kaffee läuft quer über die Arbeitsfläche der Küche. Ich beende das Telefonat schnell und hole Lappen, um alles aufzuwischen. Als ich die Kaffeemaschine nach vorne ziehe, entdecke ich dort den Fahrradschlüssel, den ich letzte Woche verzweifelt gesucht habe. Ich will ihn schnell an das Schlüsselbrett hängen, damit ich jetzt weiß, wo er ist. Dort klemmt ein Brief von der Stadtbücherei: die Leihfrist der Bücher ist abgelaufen. Oh, die suche ich jetzt schnell, dann kann ich sie nachher mitnehmen, wenn ich einkaufen gehe. Die zwei Romane liegen auf dem Nachttisch, aber wo habe ich nur den Ratgeber für besseres Aufräumen hingelegt…?
Ich suche ihn erfolglos, kann mir einfach nicht erklären, wo er sein könnte. Ich gebe auf und sinke resigniert ins Sofa.
Ich stelle ungläubig fest: es sind mehrere Stunden vergangen, die Fenster sind immer noch schmutzig, das Altpapier steht auf der Kellertreppe, die Wäsche ist nicht gewaschen und was ich einkaufen und kochen will, weiß ich auch noch nicht.
Ich war die ganze Zeit beschäftigt und habe trotzdem nichts erledigt. Ich bin erschöpft, obwohl – oder weil – ich nichts zu Ende gebracht habe. Das soll sich jetzt ändern. Ich will achtsamer werden mit mir und meiner Zeit. Davor muss ich nur noch mal schnell bei Facebook reinschauen…
Ganz einfach... 😉
Abschlussgedanke: Atem-Achtsamkeitsmeditation
Eventuell ist die Meditationpraxis noch recht neu für Dich. Vielleicht erinnerst du dich aber auch wieder, dass Achtsamkeit und Meditationstechniken vor allem wirken, wenn man sie kontinuierlich übt. Wie war das heutige Meditieren für dich? War es leicht für dich, deine Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten? Oder gab es vielleicht den einen oder anderen Moment, in dem es etwas schwieriger war und es nicht geklappt hat? Wie fühlst du dich jetzt?
Du kennst ja den Spruch: „Übung macht den Meister und der Meister übt.“
Ich freue mich und möchte dich ermuntern, morgen wieder zu üben und die Achtsamkeit auf dich wirken zu lassen
Herzliche Grüße 😉
Walter
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